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Grünes Bauen ist angesagt

Innovative Projekte beweisen aber weltweit, dass Repräsentation, neues Bauen und Umweltbewusstsein sich nicht ausschließen müssen. Umweltorientierte Konzepte prägen zunehmend auch Gewerbeobjekte - mit spektakulären Ergebnissen sowohl im Hinblick auf die Optik als auch auf die Energieeffizienz. 


Dabei reicht das Spektrum vom streng funktionalen Büroturm bis zur repräsentativen Industriekathedrale. Die gebauten und projektierten Objekte überraschen - mal durch atemberaubende Formen, mal durch exotisches Baumaterial. In jedem Fall aber durch beachtliche Einsparmöglichkeiten an Energie und Emissionen. 


Schon das 1992 von Christoph Ingenhoven erbaute RWE-Verwaltungsgebäude, das erste Niedrigenergiehochhaus, hat Funktion und Einsparung in Einklang gebracht. Das gilt auch für jüngere Bauten dieses Pioniers umweltorientierter Gebäude, wie etwa die Lufthansa-Hauptverwaltung am Frankfurter Flughafen oder die Europäische Investitionsbank in Luxemburg. Aber auch andere deutsche Architekten wie die Stuttgarter Werner Sobek oder Eckhard Gerber gehören zu den wichtigsten Protagonisten moderner grüner Architektur. 


Mittlerweile hat die internationale Bauprominenz das Thema für sich entdeckt. Der englische Stararchitekt Lord Foster hat mit seiner berühmten "Gherkin", dem ersten ökologischen Wolkenkratzer in der Londoner City, bekanntlich ein wichtiges Zeichen gesetzt. Sein Büro propagiert umweltbewusstes, energiesparendes beziehungsweise energieneutrales Bauen auch bei allen internationalen Projekten. So zum Beispiel bei der Petronas University of Technology in Seri Iskandar, Malaysia, die sich an den klimatischen Bedingungen des Standorts mitten im Dschungel orientiert.




Doch auch Renzo Piano oder Zara Hadid setzen sich intensiv mit dem Thema auseinander, so etwa mit seiner vielbeachteter Erweiterung der California Academy of Sciences in San Francisco beziehungsweise mit ihrem atemberaubendem Bau des E.ON Instituts für Energieforschung an der RWTH Aachen, das von der Ausrichtung der Anlage bis zur Windturbine auf dem Dach ganz auf das Thema des Hauses hin entwickelt wurde. Japans großer Minimalist Tadao Ando sucht seit jeher in anderer Form eine besonders enge Beziehung zur Natur, manche Bauten oder Gebäudeteile verschwinden förmlich in der Umwelt. Wohl am eindrucksvollsten ist das zu sehen beim Chichu Art Museum in Naoshima, das nahezu vollständig überwachsen ist.




Nicht selten entwickeln innovative Architekten und Designgruppen auch neue Formen des städtischen Lebens, darunter so erstaunliche Visionen  wie die von Vincent Callebaut. Aber auch kleinere, dafür aber realisierte Projekte verdienen Beachtung. So etwa die pfiffige Lösung des jungen spanischen Teams Ecosistema Urbano für den Ecoboulevard in Vallecas in Madrid. Ähnlich wie Eckhard Gerber mit dem Energy Tower für Bahrain nutzen sie große Hohlzylinder zur Kühlung mithilfe des Windes. Die filigranen Konstruktionen, die ein wenig an transparente Gaskessel erinnern, sind über mehrere Etagen begrünt und tragen an der Spitze eine Krone aus Sonnenkollektoren. Da unter diesen sogenannten Lichtbäumen die Temperatur etwa acht bis zehn Grad kühler ist als in der Umgebung, sind sie schnell zu einem beliebten Treffpunkt in den heißen Sommermonaten geworden. 


Madrid scheint überhaupt ein gutes Pflaster für ungewöhnliche grüne Architektur zu sein. Denn hier hat der promovierte Biologe Patrick Blanc am Caixaforum eine Art vertikalen Garten realisiert. Ausgehend von seinen Forschungen über die Wachstumsraten und Anpassungsfähigkeiten verschiedener Pflanzen wurde hier eine Fassade von unten bis oben begrünt. Blanc hat seine Idee mittlerweile patentieren lassen.




Die achtzigköpfige multidisziplinäre Mannschaft um den Kopenhagener Architekten und Stadtplaner Bjarrke Ingels, Markenname BIG, geht mit ihren Projekten das Thema weitaus grundsätzlicher an. So verwandeln sie eine Insel im Kaspischen Meer komplett in ein Freizeitresort der Spitzenklasse, wobei die topografischen Gegebenheiten in ein umfassendes ökologisches und energiesparendes System eingebunden sind. Die Ziele sind energetische Selbstversorgung und Null-Emission - und Komfort ohne Verzicht.  Auch das Projekt Little Denmark geht in diese Richtung, denn es versucht in einem Wohnblock für 1.500 Bewohner mit unterschiedlichen Techniken exemplarisch darzustellen, dass Nachhaltigkeit nicht ein Thema der Science-Fiction ist, sondern vielmehr der angewandten Wissenschaften. Bjarrke Ingels: "BIG glaubt, dass die heutigen Umweltprobleme nicht politisch, wirtschaftlich oder ökologisch sind - sie sind einfach eine Designherausforderung!" 


Alle Fotos stammen aus dem Sammelband "Green Architecture Now!" aus dem Taschen Verlag, Köln.